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Du hast noch nie deine Augen gesehen. Über die inneren Anteile, die du allein nicht erkennen kannst

 Dein Gesicht, deinen Rücken, deinen Hinterkopf hast du nie mit eigenen Augen gesehen. Immer nur im Spiegel. Diese Teile gehören ganz selbstverständlich zu dir, und trotzdem bleiben sie deinem eigenen Blick verschlossen. Du brauchst etwas außerhalb von dir, das sie dir zurückwirft.

Mit deinem Inneren ist es genauso.
Du sagst vielleicht von dir: Ich bin nun mal ein wütender Mensch. Oder: Ich bin eben perfektionistisch, ich brauche das, dass alles seine Ordnung hat. Du hältst das für deinen Charakter. Für einen festen Kern, der einfach so ist, wie er ist. 
Aber du bist nicht die Wut. Du hast einen wütenden Anteil. Du bist nicht der Perfektionismus, sondern in dir lebt ein Teil, der alles richtig machen will, weil er irgendwann vielleicht lernen musste, dass Fehler gefährlich sind.
Was du für deine eine, feste Persönlichkeit hältst, ist in Wahrheit ein ganzes Geflecht aus inneren Anteilen. Verschiedene Stimmen, verschiedene Zustände, die abwechselnd in dir die Führung übernehmen, ohne dass du es bemerkst.
Solange dir das niemand spiegelt, merkst du es nicht. Du bist mit diesen Anteilen verschmolzen, so wie du mit deinen Ohren verwachsen bist. Sie sind dir zu nah, um sie zu sehen.
Von innen fühlt sich das oft gar nicht nach klar unterscheidbaren Anteilen an, sondern eher wie ein Knäuel, in dem alles gleichzeitig zieht. Du spürst dann nur, dass etwas nicht stimmt, ohne benennen zu können, was es ist.
Besonders deutlich wird das bei den Anteilen, die sehr früh entstanden sind.
Ein Kind, das in den ersten Lebensjahren lernen musste, sich anzupassen, leise zu sein, zu funktionieren, entwickelt Überlebensstrategien. Diese Strategien laufen dann ein Leben lang mit. Und weil sie immer da waren, erkennst du sie nicht als etwas Hinzugekommenes. Sie sind für dich einfach dein Normalzustand. So, wie du eben bist.
Genau dieses Knäuel mache ich in meiner Arbeit sichtbar. In der Aufstellungsarbeit bekommt jeder Anteil, der sich in einer Sitzung zeigt, einen eigenen Platz. Einen Stuhl, einen Hocker. Die Klientin wechselt zwischen den Plätzen und spricht einmal aus dem einen Teil, dann aus dem anderen.
Was vorher ein unklares Gefühlsgemisch war, lässt sich auf einmal auseinanderhalten. Aus einem diffusen "so bin ich eben" wird ein klares "ein Teil von mir ist so". Und das ist ein großer Unterschied.
Manchmal arbeite ich auch mit Symbolen. Die Klientin zieht eine kleine Figur, ohne zu wissen, welcher Anteil dahinterliegt, und beschreibt zunächst nur, was sie vor sich sieht. Dass sie nicht weiß, worum es geht, ist Sinn der Sache. So kann sie nämlich nicht über die Figur nachdenken und sich nicht selbst beeinflussen, sondern beschreibt unbefangen, was sich zeigt. Und wenn wir am Ende auflösen, welcher Teil von ihr da gesprochen hat, ist das fast immer ein Moment des Erkennens.
Dabei zeigt sich oft etwas Überraschendes. Der Anteil, den eine Klientin für ihren Erwachsenen gehalten hat, für die vernünftige, tragende Instanz in sich, ist häufig gar nicht erwachsen. Es ist ein Kind, das viel zu früh in die Erwachsenenrolle gegangen ist. Der wirkliche erwachsene Anteil fehlt noch. Er muss sich erst bilden.
Und genau das ist der eigentliche Weg. Dass in dir nach und nach ein erwachsener Anteil entsteht, eine innere Ressource, die all diesen Teilen begegnen kann. Die mit der Wut sprechen kann, mit der Angst, mit dem perfektionistischen Kind.
Es geht nicht darum, diese Anteile wegzumachen, denn sie gehören zu dir. Es geht darum, mit ihnen in Kontakt zu kommen.
Durch diesen Kontakt entsteht aus dem Knäuel allmählich wieder Ordnung. Die Anteile reißen nicht mehr abwechselnd die Führung an sich. Du bist ihnen nicht mehr ausgeliefert. Du kommst in Beziehung mit dir selbst.
Die meisten Menschen, die zu mir kommen, sagen nicht, dass sie ihre inneren Anteile verstehen wollen. Sie sagen, dass sie sich erschöpft fühlen. Dass sie immer wieder an derselben Stelle anstoßen. Dass irgendetwas nicht stimmt, und sie wissen nicht, was. Genau dieses Unbehagen nehmen wir ernst und schauen, wer sich dahinter meldet.
Wenn du dich darin wiedererkennst, findest du auf meiner Seite die Möglichkeit, ein kostenloses Analysegespräch zu vereinbaren.