Ich habe die Serie Wednesday nach wenigen Minuten abgebrochen.
Nicht, weil sie schlecht gemacht ist. Sondern weil sie etwas transportiert, das ich nicht mehr übersehen kann.
In einer der ersten Szenen erleben wir, wie die Familie einen Autounfall absichtlich provoziert. Menschen werden verletzt, Autos zerstört, und Wednesdays Familie fährt vorbei und lacht. Es soll
makaber sein. Schwarzer Humor.
Aber was ich wahrnehme, ist Entkopplung. Und ein Zynismus, der als Coolness verkauft wird.
Ich merke, wie mein Körper auf diese Szene reagiert. Nicht nur auf die Gewalt selbst, sondern auf die Kälte, mit der sie dargestellt wird. In keinem Moment hält die Erzählung inne. Niemand zeigt
sich betroffen. Die Botschaft, die so vermittelt wird: Wer das nicht witzig findet, hat den Humor nicht verstanden. Wer fühlt, ist schwach.
Und das ist ein Narrativ, das wir viel zu gut kennen.
Wednesday ist keine Ausnahme. Viele Serien feiern heute das Fragmentierte. Das Unverbundene. Das Trauma als Stilmittel. Bindungslosigkeit wird zur Ästhetik. Dissoziation zur Superkraft. Und genau
das macht mir Sorgen.
Wer sich selbst kaum noch spürt, fühlt sich vielleicht endlich gesehen in solchen Figuren.
Aber das ist kein Empowerment. Es ist das Wiedererkennen der eigenen Wunde ohne echten Heilungsraum. Und oft auch ohne Bewusstsein dafür, dass es eine Wunde ist.
Warum kommt eine Figur wie Wednesday so gut an?
Vielleicht, weil viele von uns gelernt haben, dass wer cool bleibt, nicht verletzt wird. Dass emotionale Abkopplung Schutz bietet.
Aber diese Rechnung geht nicht auf. Irgendwann bleibt nur noch Leere.
Das hier ist keine Serienkritik im klassischen Sinn. Es geht mir nicht darum, wer was schaut oder ob man diese Art von Humor mögen darf. Es geht darum, was dahinter liegt. Was wir feiern. Und was
wir nicht mehr fühlen wollen.
Ich glaube, wir brauchen neue Geschichten. Geschichten, in denen Trauma nicht als Stil verkauft wird, sondern als das erkannt wird, was es ist: ein Ruf nach Rückverbindung. Ich wünsche mir
Geschichten, in denen Stärke nicht durch Abgrenzung entsteht, sondern durch Verbindung. Figuren, die nicht cool trotz, sondern mit ihrem Fühlen sind.
Und einen Raum, in dem wir wieder lernen dürfen, uns selbst zu spüren, ohne uns dafür zu schämen.
Vielleicht hast du Wednesday gesehen, und etwas an der Serie hat dich irritiert. Vielleicht dachtest du: Irgendwas fühlt sich hier falsch an. Dann warst du nicht zu sensibel. Du warst genau
richtig.

